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Schafzucht

Rassebeschreibung (entnommen von IG Soay)

 

1. Allgemein

Das Soayschaf stammt von der Insel Soay vor der Westküste Schottlands und stellt eine entwicklungsgeschichtlich sehr frühe Form des Hausschafes dar. Es ist ein kleinwüchsiges, kurzschwänziges, kurzwolliges und schurfreies Schaf mit Saisonaler Brunst (Fruchtbarkeit 140%). Erste Lammung meist schon einjährig im April. Lammböcke sind - von Ausnahmen abgesehen - bereits nach ½ Jahr fortpflanzungsfähig.

Das Soayschaf kommt in einer dunkelbraunen und in einer hellen Farbvariante vor. Letztere hat ein hellcremefarbenes Fell und zeigt an Kopf und Beinen eine blass fuchsrote Farbe. Beide Geschlechter sind behornt. Die Wolle wird bei guter Kondition im Mai/Juni abgeworfen bzw. an Baum und Zaun abgestreift. Das Klauenwachstum ist gering. Kontrolle - und je nach Gelände - auch ein Schnitt sind trotzdem notwendig.

 

2. Besondere Rassemerkmale im einzelnen:

• Die Hörner eines 4 Jahre alten Bockes sind mehr kreisförmig und nicht extrem korkenzieherartig nach außen gedreht. Am Außenumfang gemessen sind sie etwa 50 cm lang. Die rund 20 cm langen Hörner eines 4-jährigen weiblichen Tieres gehen leicht sichelförmig nach hinten auseinander. Die Hornlängen 1½-jähriger weibl. Tiere liegen bei 7,die von 2-jährigen bei 14 cm.

• Die gekräuselte Wolle misst (am Rumpf seitlich) im Winter 3, nur ausnahmsweise bis 4 cm.

• Bart beim Bock und Aalstrich sind selten, wobei der Bart den Rest einer Mähnenbildung darstellt und der Aalstrich bei beiden Geschlechtern fast ausschließlich im Winterfell oder als Rest des Winterfells zu sehen ist. Eine ausgeprägte Mähne wie beim Kamerunbock oder ein Sattelfleck wie beim Muffel kommen bei Soays nicht vor.

• Der Spiegel ist weiß oder hell lederfarben. Er ist nie grau und erstreckt sich nicht schlecht abgegrenzt über die Keulen hinaus - er ähnelt also dem des Damwildes.

• Der Vorder- bzw. Überaugenfleck ist bei jedem Soayschaf erkennbar.

• Der 14 bis 19 cm lange Schwanz bei Alttieren (ohne Wolle gemessen) ist nie spitz zulaufend, sondern sieht eher zylindrisch aus wie ein Stück Gartenschlauch. Bei Lämmern ist er durch die meist recht zottelige längere Wolle oft ohne regelmäßige Konturen.

• Das weiße bis leicht hell lederfarbene Fell des Bauches ist zur Deckenwolle hin wie der Spiegel in klarer Linie abgegrenzt.

• Partien des Unterkiefers, der Kehle und selten auch ca. 3 cm große kreisrunde Flecken unterhalb der Kehle sind ebenfalls weiß bis hell lederfarbig.

• Innenohren und Beinpartien zeigen die gleiche weißlich helle Farbe. Letztere fällt jedoch bei den Schafen der hellen Farbvariante wenig auf.

• Die Gesichter der weiblichen Tiere sind meist wesentlich bunter als die der Böcke. Bei der dunklen Farbvariante ist oft ein heller bis rotbrauner Farbton unterhalb und hinter den Augen zu erkennen. Bei beiden Farbvarianten kann sich ein hell schimmernder Streifen vom Auge bis zum Nasenflügel hinziehen.

 

3. Zuchtziel

Zucht bzw. Erhaltung eines robusten, genügsamen und wetterfesten Schafes, welches sich durch leichte Ablammung, schnellen und vollkommenen Fellabwurf sowie geringes Klauenwachstum auszeichnet.

 

4. Maße, Gewichte

Zu berücksichtigen ist, dass Soays bis zum 4. Jahr wachsen und entsprechend an Gewicht zunehmen können.

 
  Höhe Gewicht
Bock 0,50 - 0,62 m 23 - 43 kg
Muttertier 0,48 - 0,60 m 20 - 35 kg
Lamm bzw. Lammbock (1/2 jährig) 0,42 - 0,53 m 10 - 20 kg

Haben die Soays einen Stall zur Verfügung, können sie ganzjährig im Freien gehalten werden. Im Winter senken sie ihren Stoffwechsel. Sie brauchen deshalb im Winter neben der zugeschneiten Grasnarbe nur Heu und die Rinde von Ästen, aber keinesfalls Kraftfutter. Lediglich als Lockmittel kann man etwas Kraftfutter (maximal 20 Gramm pro Tier) einsetzen.

Für fünf Muttertiere rechnet man eine Weidengröße von 2500 Quadratmetern. Kommt noch der Bock hinzu und die geworfenen Jungtiere, so erlahmt die Weide in der Nahrungsgrundlage. Eine Zufütterung von Heu ist dann unausweichlich. Aufgrund ihrer Verdauung von rohfaserreicher Kost eignen sich die Soay-Schafe für die Landschaftspflege. Selbst verwilderte Gras-Kräuter-Flächen bringen sie wieder auf Vordermann, dafür brauchen sie aber Zeit, denn nicht alle Grünpflanzen sind problemlos zu verdauen. Die Soay-Schafe wissen instinktiv, wie viele sie von welcher Vegetation täglich fressen können, um keine gesundheitlichen Probleme zu bekommen. Sie sind eben noch richtig urwüchsig und damit mit besten Überlebensgenen ausgestattet.

Trotz dieses Urinstinktes sollte man als Halter bei abzuweidenden „Brachlandflächen“ darauf achten, dass keine Giftpflanzen im Gelände sind. Klassische Vertreter wären Eibe, Ginster, Liguster, Pfaffenhütchen, Clematis oder Efeu sowie Hahnenfußgewächse. Auch wenn die Tiere nicht unmittelbar einen Schaden davontragen, kann ihr Entgiftungsorgan „Leber“ langfristig Schaden nehmen.

Eine feste Umzäunung mit Schafknotengitterzaun genügt. Gemeinhin sollte er einen Meter hoch sein, darf aber auch höher sein. Wer mit einer Elektroeinzäunung arbeitet, geht ein hohes Risiko ein. Verfallen die Soays in Panik, durchbrechen sie jede Elektroeinzäunung. Und sind sie erst einmal außerhalb der Weide, hat man ein großes Problem, denn sie lassen sich nicht leicht einfangen. Um eine Weide in verschiedene Sektoren zu unterteilen, können Elektroschafnetzte eingesetzt werden. Hier ist eine tägliche Kontrolle nötig, denn es kann vorkommen, dass sich Tiere mit ihren Hörnern darin verhaken.

Wenn man die Tiere nicht allzu lange auf der gleichen Weide lässt, halten sich Parasitenprobleme in Grenzen. Überhaupt ist das Soay-Schaf so gut wie nicht krankheitsanfällig. Tierarztkosten sind deshalb bei dieser Rasse die Ausnahme.

Soay-Schafe sind Nutztiere. Haben sie heute häufig den Nutzeffekt der Landschaftspflege erhalten, so liegt ihr ursprünglicher in der Fleischgewinnung. Soay-Schaffleisch ist trotz seiner Fettarmut sehr schmackhaft. Auch Zeitgenossen, die den Schaffleischgeschmack nicht zu ihren bevorzugten Geschmacksrichtungen rechnen, sind mit Soay-Schaffleisch gut bedient, denn der typische Schafgeschmack fehlt weitgehend. Er geht etwas in die Geschmacksrichtung eines Wildbrets.

Dank ihrer Robustheit und ihres geringen Klauenwachstums sind sie sehr pflegeleichte Schafe.

Die Lammung erfolgt bei allen ursprünglichen Schafen ausgesprochen problemlos. Ausgezeichnet sind ihre Muttereigenschaften. Nicht nur, dass sich die Mutter intensiv um ihr Lamm oder ihre Lämmer kümmert (jede zweite Mutter hat Zwillinge), ihre Milchleistung ist enorm, wenn man sie ins Verhältnis zu ihrer Körpergröße setzt.

Die Soay-Schafe sind streng saisonal. Das Deckgeschäft ist kurzzeitig. Die Brunst beginnt Ende Oktober und geht bis Anfang Dezember. Nach 150 Tagen Tragzeit kommen die Lämmer im April und Mai zur Welt.

Wichtig ist ihre Fütterung. Sie muss naturangepasst sein. Das bedeutet, Kraftfutter unterliegt einem Tabu. Gras und Kräuter im Sommer und Heu im Winter stellen die Grundnahrung. Dazu kommen zu freien Aufnahme Stroh (im Sommer auch Heu), Strauchwerk, ein Salzleckstein und eine Mineralleckschale. Sowohl Salzleckstein als auch Mineralstoffe sind erhöht aufzuhängen, da ansonsten die Mäuse beide Gegenstände mit Urin markieren. Frisches Wasser ist eine Selbstverständlichkeit.

An Strauchwerk nehmen die Soay-Schafe Äste von Kern- und Steinobst sehr gerne an. Weidenzweige sind für sie genauso wie Fichtenzweige weitere Leckerbissen. Aber auch Birke, Hartriegel, Buche, Eiche und Haselnuss können verfüttert werden. Die Rinde enthält nicht nur viele Mineralstoffe, die an wertvolle biologische Komplexe gebunden sind, sondern das gesamte Arsenal an sekundären Pflanzenstoffen, welche die Gesundheit der Soay-Schafe nachhaltig unterstützen.

Da die Soays in ihrem Verhalten distanziert bis scheu sind und auch leicht in Panik verfallen können, achten die Züchter für den Aufbau und Ausbau ihrer Zucht auf ruhige Tiere, vor allem beim Bock, da er seine „ruhigen Gene“ auf die gesamte Nachzucht vererbt. Auf diese Weise ist es gelungen, die Soayherden der heutigen Zeit relativ ruhig werden zu lassen. Bei einem intensiven Züchter-Soay-Kontakt werden sie sogar handzahm.

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